Anliegen

Meinhard Miegel

Die Menschen scheitern an ihrer eigenen Kultur

Die Zeichen mehren sich, dass sich die Menschheit den Grenzen ihrer Existenz genähert und diese möglicherweise sogar schon überschritten hat. Solche Zeichen sind überforderte Ressourcen und Ökosysteme, aber auch überforderte Gesellschaften und eine rasch wachsende Zahl überforderter Individuen. Die bislang verfolgten Strategien zur Überwindung dieser Überforderungen sind insbesondere die Steigerung von Effizienz und die Erhöhung der Bereitschaft zu Suffizienz, also Selbstbeschränkung. Doch obwohl diese Strategien in der Geschichte weit zurückreichen, blieben durchschlagende Erfolge bis heute aus. Tendenziell stiegen die Überforderungen sogar immer weiter an.

Hierfür gibt es zahlreiche Gründe. Wesentlich dazu beigetragen hat jedoch ein Wissenschaftsverständnis, das sich seit Anbruch der Moderne, ausgehend von Europa, über weite Teile der Welt ausgebreitet hat. Das Besondere dieses Wissenschaftsverständnisses ist seine weitgehende und nicht selten völlige Loslösung von ästhetisch/ künstlerischen und ethisch/ religiösen Bindungen. Faktisch wurde der ursprüngliche Zusammenhang von Religion, Kunst und Wissenschaft beseitigt. Die Folge war eine menschheitsgeschichtlich beispiellose Steigerung wissenschaftlicher Produktivität bei gleichzeitiger Zurückdrängung ästhetischer und ethischer Einflüsse. Mehr lesen

Schon in der Vergangenheit hat der Zusammenklang von Wissenschaft, Kunst und Religion Menschen zu ihrem Wirken inspiriert und befähigt. Eine Harmonie, die sich in ihrem Handeln, ihren Werken und Gedanken widerspiegelt.

Inspiration
  • „Wir verlieren [durch die Konzentration auf die Naturwissenschaften] unglaublich viel: Inspiration, Trost, Gemeinsinn, einen Teil unserer großen abendländischen Tradition. Wir verlieren die Möglichkeit, Dinge zu entdecken und zu erfahren, die größer sind als wir selbst. Das ist der Sinn ästhetischer Erfahrungen, ohne die wir alle in unserer Vorstellungskraft sehr viel ärmer würden.“

    Kent Nagano

  • „Die Kunst ist die reine Verwirklichung der Religiosität, der Glaubensfähigkeit, Sehnsucht nach ,Gott‘. […] Die Fähigkeit zu glauben ist unsere erheblichste Eigenschaft, und sie wird nur durch die Kunst angemessen verwirklicht.“

    Gerhard Richter

  • „Die gängige Vorstellung, ich sei Atheist, beruht auf einem großen Irrtum. Wer sie aus meinen wissenschaftlichen Theorien herausliest, hat sie kaum begriffen. Im unbegreiflichen Weltall offenbart sich eine grenzenlos überlegene Vernunft. Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind. Nicht Gott ist relativ, und nicht das Sein, sondern unser Denken.“

    Albert Einstein

  • „Kunst ist wesentlich Bejahung, Segnung, Vergöttlichung des Daseins.“

    Friedrich Nietzsche

  • „Da im Wissen sowohl als in der Reflexion kein Ganzes zusammengebracht werden kann, weil jenem das Innre, dieser das Äußere fehlt; so müssen wir uns die Wissenschaft notwendig als Kunst denken, wenn wir von ihr irgend eine Art von Ganzheit erwarten. Und zwar haben wir diese nicht im Allgemeinen, im Überschwenglichen zu suchen, sondern wie die Kunst sich immer ganz in jedem einzelnen Kunstwerk darstellt, so sollte die Wissenschaft sich auch jedesmal ganz in jedem einzelnen Behandelten erweisen.“

    Johann Wolfgang von Goethe

  • „Das Wunderbare an uns Menschen ist, dass wir zwei Vererbungssysteme besitzen – ein chemisches und ein kulturelles. … Unser chemisches System erhebt uns kaum über andere Tiere, doch unser kulturelles System ist in der Natur ohne Beispiel. Seine formende Kraft schenkt uns Sprache, Kunst, Wissenschaft und sittliche Verantwortung.“

     

    Gottfried Schatz

  • „Aber freilich leuchtet der Menschengeist am hellsten, wo Glanz der Kunst mit Glanz der Wissenschaft sich eint.“

    Emil Du Bois-Reymond

  • „Die Naturwissenschaft braucht der Mensch zum Erkennen, den Glauben zum Handeln.“

    Max Planck

  • „Man sollte in allen Religionen jene Übereinstimmung erkennen, die in der Tiefe des menschlichen Herzens gründet.“

    Dalai Lama