Mit Kunst Ökonomie transformieren

Die heutige Ökonomie ist von einem Mangel an Inspiration, Vorstellungskraft und Gemeinsinn geprägt. Deshalb hat sich die Cusanus Hochschule seit ihrer Gründung im Jahr 2015 zum Ziel gesetzt, die Ökonomie von einer abstrakten in eine lebensdienliche und -orientierende Wissenschaft zu verwandeln und diese zu lehren. Dieser Wandel - so der Ansatz der Cusanus Hochschule - bedarf neuen Denkens. Es gilt, tief in die ansonsten verborgenen Sinnfundamente unserer Wirtschaftskultur vorzudringen, um dort neue Gestaltungsimpulse zu setzen.

Dies ist keineswegs nur eine intellektuelle Aufgabe, sondern umfasst den ganzen Menschen. Ein zentraler, für das von der Stiftung kulturelle Erneuerung geförderte Projekt leitender Ansatz ist, den Menschen als homo pictor zu verstehen: Als bildschaffendes Wesen also, das sich einerseits handlungsleitende Bilder von der Realität und sich selbst schafft und andererseits auf der Grundlage dieser Bilder Realität gestaltet. In den Wirtschaftswissenschaften wie in der Wirtschaft selbst ist dieser schöpferische Prozess zumeist ins Unbewusste abgesunken. Menschen konsumieren und reagieren eher auf materielle Bilder, als dass sie ihre eigene Vorstellungskraft aktiv schulen und zur verantwortungsvollen Gestaltung der Welt einsetzen.

Im vorliegenden Projekt weisen Mitglieder der Cusanus Hochschule Wege auf, wie mit Hilfe von Kunst und ästhetischen Impulsen dieses Verhältnis von Passivität und Aktivität umgedreht und Menschen wieder zu Gestaltern jener Bilder werden können, auf deren Basis sie wirtschaftlich denken, handeln und fühlen. Dafür werden unter anderem tiefere Sinndimensionen unserer heutigen Wirtschaftskultur mit Hilfe ästhetischer Perspektiven aufgespürt, mittels visueller Darstellungen verborgene Grundannahmen des Denkens veranschaulicht und durch künstlerische Praktiken eigene Haltungen erforscht. Workshops, Lehrveranstaltungen, Publikationen und Vorträge greifen dafür gezielt ästhetische Theorien und Erfahrungen auf und machen sie für die Generierung neuer Reflexion, Inspiration und Vorstellungsvermögen zugunsten einer lebensdienlichen Wirtschaft fruchtbar.

 

Interkulturelles Ökologisches Manifest

Dass wir, unsere Kinder und die folgenden Generationen ökologisch vor ungeheuren Herausforderungen stehen, ist offensichtlich. Doch es herrscht Ratlosigkeit, wenn nach nachhaltigen Auswegen aus der Krise gefragt wird. Michael von Brück bringt dafür Denkansätze aus den europäischen und asiatischen Traditionen in ein Gespräch, aus dem uns ein Umdenken, ein Umfühlen, ein neues Handeln zuwachsen kann. Denn Europa, Indien und China verfügen über einen riesigen spirituellen Reichtum, von dem her eine Transformation unserer Lebensformen und eine Erneuerung unseres Selbstverständnisses als Menschen auf dieser Erde möglich ist.

Michael von Brück, Jahrgang 1949, ist evangelischer Pfarrer, lebte mehrere Jahre als Dozent in Indien und arbeitet mit dem Dalai Lama zusammen. Seit 1985 ist er Zen- und Yoga-Lehrer. Von 1991 bis 2014 war er Professor für Religionswissenschaft an der LMU in München; gegenwärtig hat er eine Honorarprofessur an der Katholischen Privat-Universität Linz für Religionsästhetik inne, ist Direktor der Palliativ-Spirituellen Akademie in Weyarn und Gründungsmitglied der University for Life and Peace in Yangon, Myanmar.

Kulturelle Erneuerung - Der Beitrag der abendländischen Philosophie

Kultur ist die gesellschaftliche Form, die das menschliche Leben nicht nur zum Überleben, sondern zur Entfaltung seiner besten Kräfte benötigt. Ob die Kultur beides auch in Zukunft wird leisten können, erscheint fraglich. Volker Gerhardts programmatischer Entwurf zeigt, dass es die Aufgabe der Philosophie ist, Klarheit in die Verhältnisse zwischen den Leitbegriffen Natur, Kultur, Technik und Vernunft zu bringen. Seine These ist, dass es vornehmlich kulturelle Veränderungen sein müssen, durch die die drohende Katastrophe abgewendet werden kann. Und: Um wirksam zu sein, muss eine solche kulturelle Erneuerung eine weltweite Perspektive haben – unter Wahrung der nationalen, regionalen und lokalen Traditionen.

Volker Gerhardt, Dr. phil., Drs. h.c., Professor für Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin, Mitglied und Vorsitzender zahlreicher Kommissionen. Letzte Veröffentlichungen: »Glauben und Wissen. Ein notwendiger Zusammenhang« (2016), »Humanität. Über den Geist der Menschheit« (2019).

Vom Werden

8./9. Dezember 2017

Großer Hörsaal, Botanik-Gebäude , Menzinger Straße 67, 80638 München

8./9. Dezember 2017

Großer Hörsaal, Botanik-Gebäude , Menzinger Straße 67, 80638 München

Was sind die grundlegenden Prinzipien und Muster, nach denen sich dynamische Systeme entwickeln, mitunter in eine „chaotische“ Phase eintreten und sich anschließend durch Selbstorganisation neu ordnen? Was bedeutet eine Welt im ständigen Wandel für die ethische Fundierung unseres Handelns? Lässt uns die Eigendynamik sich selbst organisierender Systeme überhaupt noch Raum für Entscheidungen und Planungen?

Diesen Fragen stellte sich das Symposium „Vom Werden“, indem es Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften zu einem transdisziplinären Dialog zusammenbrachte und auch den Beitrag der Kunst zu einem Verständnis grundlegenden Wandels miteinbezog. Das Symposium, das maßgeblich von der Künstlerin und Autorin Beatrice Voigt konzipiert wurde, thematisierte die Dynamik von Entwicklungsprozessen in Natur und Gesellschaft als kontinuierliche Werdeprozesse von der Auflösung des Alten über die Transformation hin zum Entfaltungsprozess des Neuen. Davon ausgehend wollte es zum Weiterdenken inspirieren und insbesondere Wege zu einem ganzheitlichen Denken aufzeigen. Denn erst wenn sich die bestehende Denkweise grundlegend ändert – so die Initiatoren des Symposiums – kann ein neues Verständnis der Komplexität und Vernetztheit von allem Seienden Raum greifen und zur Grundlage einer komplexen Ethik werden, die den Menschen als Mitspieler und nicht als Gegenspieler in einer von permanenten Wandel geprägten Welt versteht.

Die künstlerisch gestaltete Dokumentation des transdisziplinären Symposiums liegt nun vor.

Wie führen wir?

11./12. Oktober 2019, Kapuzinerkloster Münster

11./12. Oktober 2019, Kapuzinerkloster Münster

Was ist Spiritualität und wie können Manager und Führungskräfte für Spiritualität sensibilisiert werden? Welche Erfahrungen und Ansatzpunkte gibt es für einen Transfer von Spiritualität in Management- und Führungsprozesse? Wo liegen die Möglickeiten und Grenzen von Spiritualität in der Praxis und der wissenschaftlichen Forschung? Fragen wie diese wurden am 11. und 12. Oktober 2019 auf einem Symposium im Kapuzinerkloster in Münster diskutiert. Veranstalter war IUNCTUS - Kompetenzzentrum für Christliche Spiritualität der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PHT) Münster, das den Transfer Christlicher Spiritualität in Management- und Führungsprozessen zum Ziel hat. Das Symposium richtete sich an Führungskräfte und Interessierte aus kirchlichen, sozialen und privatwirtschaftlichen Organisationen sowie an Wissenschaftler, die sich mit dieser Thematik befassen.

anders wachsen-Gemeinde

Die christliche anders wachsen-Modellgemeinde will in der Praxis zeigen, dass Alternativen zu den herrschenden nicht nachhaltigen Lebensweisen möglich sind, von der Frömmigkeit über den Gemeindeaufbau bis zu den praktischen Lebensvollzügen. Sie ist hervorgegangen aus der Initiative "anders wachsen", die 2011 in der Evangelisch Lutherischen Landeskirche Sachsen mit dem Ziel gegründet wurde, die Fixierung auf die Mehrung materiellen Wachstums zu überwinden und andere, nicht materielle Formen des Wachstums wie Kunst, Glaube, Zeit, Wissen, Beziehung, Kreativität, Ehrenamt, soziale Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung zu fördern.

Die anders wachsen-Gemeinde soll das Prinzip "anders wachsen" leben durch wirtschaftliche Selbstbeschränkung bei gleichzeitiger Entfaltung alternativer Wachstumsmöglichkeiten in Sachen Lebensqualität und in allen ihren Glaubens- und Lebensbereichen sowie durch eine entsprechende gemeindliche und landeskirchenweite Bildungsarbeit. Ein wesentliches Element der „anders wachsen“-Gemeinde ist die Entschleunigung der Lebensbereiche.

Das geschieht in erster Linie durch gelebte Frömmigkeit und Hinwendung zu Gott im Alltag. Das gemeinsame spirituelle Leben der Gemeinde soll geprägt sein von Grundformen kommunitären Lebens wie regelmäßigen Tagzeitengebeten, Einkehrtagen und gemeinsamer praktischer Arbeit. Ferner soll die „anders wachsen“-Gemeinde durch exemplarisches und modellhaftes Handeln Alternativen zu gegenwärtigen Formen des Lebens und Wirtschaftens erproben zum Beispiel  durch die konsequente Ausrichtung des Konsumverhaltens an sozialen und ökologischen Kriterien und das bewusste Einüben von Verzicht sowie die Befreiung von unnötigem Konsum und die gemeinsame Einübung einer „Ethik des Genug“.

Derzeit wollen zwei Dresdner Kirchgemeinden  „anders wachsen“-Modellgemeinden werden. Begleitet werden sie dabei von Juliane Assmann. Die 28-jährige Theologin ist Referentin auf der missionarischen Stelle zur Etablierung von „anders wachsen“-Gemeinden im Kirchenbezirk Dresden Mitte. In den nächsten drei Jahren wird Juliane Assmann mit der Ev.-Luth. Johanneskirchgemeinde Dresden-Johannstadt-Striesen sowie der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Frieden und Hoffnung Dresden-Löbtau alternative Wirtschaftsmodelle, Entschleunigung und eine Frömmigkeit des Genug erproben. Christliche Gemeinden sollen so als Hoffnungsorte für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit erlebbar werden und auch kirchenferne Menschen zur Mitwirkung motivieren.

 

 

"Weiße Rose": Ethik des Widerstands - gestern und heute

15. Juli 2019, 13.30 bis 18.30 Uhr

Aula der Hochschule für Philosophie, Kaulbachstraße 31, München

15. Juli 2019, 13.30 bis 18.30 Uhr

Aula der Hochschule für Philosophie, Kaulbachstraße 31, München

Zum Abschluss der Vorlesungsreihe "Bildung zum Widerstand" in der Münchner Hochschule für Philosophie führten am 15. Juli 2019 StudentInnen der Hochschule für Musik Franz Liszt aus Weimar Auszüge aus der Kammeroper "Weiße Rose" von Udo Zimmermann auf. Davor fanden eine Führung durch die GedenkStätte "Weiße Rose" sowie eine Podiumsdiskussion mit dem katholischen Militärbischof Franz-Josef Overbeck, den Organisatoren der Vorlesungsreihe Bertold Goerdeler und Barbara Schellhammer sowie dem Sozialethiker Markus Vogt statt. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie Bildung zum Widerstand gelingt und wie aus ihr Motivation zum Handeln gewonnen werden kann, die unter anderem Carl Goerdeler, Sophie Scholl oder Alfred Delp SJ vorgelebt haben und die für den Schutz der demokratischen Grundordnung und der humanistischen Werte notwendig ist. Das ausführliche Programm der Abschlussveranstaltung finden Sie hier.

 

 

 

Kulturelle Erneuerung - Der Beitrag der abendländischen Philosophie

15. /16. Mai 2019

Meisterhof, Bad Wiessee

15. /16. Mai 2019

Meisterhof, Bad Wiessee

Ist die Menschheit durch ihre derzeitige Kultur bedroht und was hat zu dieser Bedrohung geführt? Auf Fragen wie diese werden aus den verschiedenen Wissensbereichen unterschiedliche Antworten gegeben. Was aber haben Philosophen dazu zu sagen?

Dem wurde im zweiten Meisterhof-Gespräch am 15. und 16. Mai 2019 nachgegangen. Dort trafen sich elf Männer und Frauen, die sich mit dieser Problematik seit geraumer Zeit befassen. Grundlage des Kolloquiums war eine Ausarbeitung von Volker Gerhardt. Dieser Text wird demnächst von der Stiftung kulturelle Erneuerung veröffentlicht werden.

8. Klimakonzert

31. Mai 2019, 21 Uhr

ewerk, Wilhelmstraße 43, 10117 Berlin

31. Mai 2019, 21 Uhr

ewerk, Wilhelmstraße 43, 10117 Berlin

Am 31. Mai 2019 fand im Berliner ewerk das 8. Klimakonzert des aus der Berliner Staatskapelle hervorgegangenen Orchester des Wandels statt. Das Konzert stand unter dem Motto "Dies irae" und sollte die Betroffenheit der Musiker angesichts globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Artensterben und Massenmigration zum Ausdruck bringen.

Unter der künstlerischen Leitung der Geigerin Patricia Kopatchinskaja kamen neben dem gregorianischem Hymnus "Dies irae" und einem Byzantinischen Gesang  zu Psalm 140 arrangiert und gespielt von Patricia Kopatchinskaja unter anderem ein Violinkonzert des amerikanischen Komponisten und Pianisten Michael Hersch (2015/2017) sowie die Komposition Nr. 2 "Dies irae" für Kontrabaß, Schlagzeug und Klavier von Galina Ustwolskaja (1972/73) zur Aufführung. Die musikalische Leitung hatte der Pianist und Dirigent Günther Albers.

Der Erlös des Konzerts ging an das Renaturierungsprojekt "New Life on Lower Pruth River" in Moldawien, der Heimat von Patricia Kopatchinskaja. Die Auen des Pruth, ein Nebenfluss der Donau, sind vom Klimawandel und von einer wenig nachhaltigen Landwirtschaft bedroht. Das Renaturierungsprojekt in den Auenwäldern des Flussdeltas wurde vom WWF speziell für das Orchester des Wandels aufgelegt.

Hamburger Menetekel

24./25./26. Mai 2019 jeweils 15.30 Uhr

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

24./25./26. Mai 2019 jeweils 15.30 Uhr

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Die Wände der Gebäude, Straßenschilder, Unterführungen der Stadt sind voller Schriftzeichen und Gemälde. Kündigen diese wie zu Zeiten des babylonischen Herrschers Belsazar den baldigen Untergang an? Was können wir aus ihnen für die Zukunft lesen? Im Rahmen einer breit angelegten Forschungsarbeit zur Zukunft der Stadt Hamburg haben Hamburger Schüler*innen aus allen sieben Stadtbezirken die Zeichen an den Hamburger Wänden gelesen und gedeutet. Die daraus abgeleiteten Zukunftsprognosen wurden am 22. Februar 2019 auf einer Pressekonferenz im SchauSpielHaus  vorgestellt. Auf einem futurologischen Kongress vom 24. bis 26. Mai 2019 diskutierten die Schüler dann gemeinsam mit Expert*innen verschiedener Wissenszweige die durch die Prognosen aufgeworfenen Zukunftsfragen. Höhepunkt an jedem der drei Tage war die Graffiti-Oper, in der ausgehend von Händels Oper "Belshazzar" das Symphonieorchester "Junge Symphoniker", ein 70-köpfiger Sprechchor, namhafte Wissenschaftler*innen und  Schauspieler*innen des Ensembles eine doku-fiktionale Oper aufführten. Das Projekt wird von Ron Zimmering und dem Hamburger Graffitimuseum geleitet.

Seit September 2018 waren Hamburger Schüler in allen Stadtteilen Hamburgs unterwegs, um Graffitis zu dokumentieren und auf ihren Zukunftsgehalt hin zu prüfen.